Kreative Ideen erfolgreich umgesetzt: Lebensarbeitszeitkonto bei Fliesen K. Nägeler

Karsten Nägeler (r.) und André Gesenhoff sind Geschäftsführer der Fliesen K. Nägeler GmbH & Co. KG. Über das Lebensarbeitszeitkonto geben sie ihren Mitarbeitern die Chance, bei Be-darf weniger zu arbeiten und trotzdem den gleichen Lohn zu erhalten. Foto: Kreativshooting Isabel Schütte

In den letzten Jahren vor der Rente weniger arbeiten, eine mehrmonatige Auszeit vom Job nehmen oder Stunden reduzieren, um einen Angehörigen zu pflegen – und das bei unverändertem Lohn: Lebensarbeitszeitkonten machen dies möglich. Als erstes Handwerksunternehmen aus dem Bauhauptgewerbe im Kammerbezirk Münster und eines von ganz wenigen in Deutschland bietet die Fliesen K. Nägeler GmbH & Co. KG aus Ascheberg-Herbern ihren Mitarbeitern diese Chance. „Meine Mitarbeiter können freiwillig einen monatlichen Betrag ihrer Wahl auf das Konto einzahlen, Überstunden oder nicht verbrauchten Urlaub hineingeben. In der Industrie ist dieses Modell weit verbreitet, in anderen Branchen allerdings noch nicht“, erklärt Geschäftsführer Karsten Nägeler.

Arbeitszeit ohne Lohnverlust reduzieren

Mit den Jahren sammeln die Beschäftigten ein Guthaben an, das eine Reduzierung der Arbeitszeit ohne Lohnverlust ermöglicht. Geld bzw. Stunden, die bis zum Renteneintritt nicht verbraucht sind, werden ausgezahlt. Rund ein Drittel der Gesellen nutzt das Lebensarbeitszeitkonto, das der Betrieb vor fünf Jahren eingeführt hat. Die Idee dazu nahm Nägeler von einer Fortbildungsveranstaltung der Handwerkskammer zu Arbeitszeitmodellen mit. Er rief den Referenten an und informierte sich über die Möglichkeiten der Umsetzung. Dieser schlug ihm eine Förderung über die Potentialberatung vor.

„Das Landesprogramm hilft Betrieben dabei, vorhandene Potentiale besser zu nutzen, betriebliche Abläufe zu optimieren oder zu modernisieren. Dafür übernimmt das Land die Hälfte der Kosten für bis zu zehn Beratertage. Die Förderung pro Tag ist allerdings auf 500 Euro gedeckelt“, erklärt wfc-Berater Thomas Brühmann. Er unterstützte Karsten Nägeler bei der Antragsstellung für die Förderung – bereits zum zweiten Mal. „Ich hatte zuvor über die Potentialberatung die Umsatzbeteiligung unserer Führungskräfte auf Gewinnbeteiligung umgestellt. Das hat gut geklappt, deshalb habe ich das Instrument gerne wieder genutzt“, sagt Nägeler.

Organisatorischer Aufwand ist nach der Ersteinführung gering

Mit dem externen Berater erarbeitete er die konkreten Anforderungen, dann begann dieser mit den Vorbereitungen für die Umsetzung und suchte unter anderem passende Anbieter. „Für uns hielt sich der Aufwand auf diese Weise in Grenzen. Nur der Steuerberater und unsere kaufmännische Bürokraft hatten bei der Einführung einiges zu tun, aber jetzt läuft alles unproblematisch und ohne Aufwand“, sagt Nägeler.

Auszahlungen gab es im Herberner Fliesenlegerbetrieb und seinen 30 Mitarbeitern bisher noch nicht. „Aber ich verspreche mir für die Zukunft eine ganze Menge davon“, sagt Nägeler. „Wenn unsere Mitarbeiter älter werden, können sich mehr schonen und weniger arbeiten, ohne auf Lohn zu verzichten. Das ist gut für ihre Gesundheit und damit auch für den Betrieb, weil sie sich ihre Arbeitskraft erhalten. Perspektivisch werden wir so wahrscheinlich mehr Mitarbeiter beschäftigen, die aber keine vollen Stellen haben. Das hilft uns auch dabei, Zeiten auszugleichen, in denen mal mehr und mal weniger zu tun ist.“

Gespartes Geld wird gut verzinst

Letztlich es sei ein auch ein gutes Mittel, um Mitarbeiter von der Firma zu überzeugen und sie langfristig zu halten. „Das ist uns sehr wichtig“, sagt Nägeler. Bei Auszahlungen aus dem Lebensarbeitszeitkonto fallen die üblichen Steuern und Sozialausgaben an. Allerdings bringt der Arbeitgeber bei den monatlichen Einzahlungen seine Sozialkosten, die für die Summe normalerweise gezahlt hätte, in den Topf ein. „Wenn ein Mitarbeiter beispielsweise monatlich 100 Euro auf das Lebensarbeitszeitkonto überweist, kommen vom Arbeitgeber rund 30 Euro an Sozialkosten hinzu. Zudem wird das Geld aufgrund des fünf Jahre alten Rahmenvertrags mit dem Rückversicherer gut verzinst. So sind die späteren Sozialabgaben der Beschäftigten mindestens neutralisiert, üblicherweise bleibt sogar ein nicht unerheblicher Überschuss.“

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DIE POTENTIALBERATUNG

Potentiale im Betrieb auszuschöpfen, um wettbewerbsfähig zu bleiben: Dabei unterstützt die Potentialberatung die Unternehmen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Im Zentrum stehen die Teamarbeit und die Beteiligung der Mitarbeiter, schließlich sind ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten ein wichtiger Faktor. Mögliche Themen für die eine finanzielle Förderung für bis zu zehn Beratertage sind Arbeitsorganisation, Personalentwicklung, Qualifizierungsberatung, demografischer Wandel, Digitalisierung und Gesundheit.

 

Info-Material zu Förderprogrammen

wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld

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