Knapp 200 Teilnehmer beim Unternehmertreffen mit Bischof Genn

Knapp 200 Teilnehmer beim Unternehmertreffen mit Bischof Genn

„Kirche und Wirtschaft sollen im Gespräch bleiben“

 

Von unterschiedlichen Rollen und den sprichwörtlichen Hüten, die jemand tragen und zugunsten eines Perspektivwechsels auch einmal mit jemandem tauschen kann, war viel die Rede am Dienstag, 13. September, in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster. Dorthin hatte Dr. Felix Genn als Bischof des Bistums Münster zum jährlichen Un-ternehmertreffen eingeladen. Das Thema war dem Teilnehmerfeld auf den Leib geschneidert:

„Zum Verhältnis Kirche – Wirtschaft“ hörten die knapp 200 Anwesenden ein Referat von Hildegard Müller, Vorstandsmitglied der RWE International SE, Essen. Auch die anschließende Podiumsdiskussion, die Müller mit Dr. Norbert Köster, Generalvikar des Bistums Münster, und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) führte, widmete sich der Beziehung zwischen Kirche und Wirtschaft.

 

„Wirtschaft muss den Menschen dienen“

Auf diese ging Bischof Genn in seiner Begrüßung ebenfalls ein, indem er die viel diskutierte Papst-Äußerung „Diese Wirtschaft tötet“ aufgriff. Papst Franziskus habe damit eine bestimmte Form von Wirtschaft kritisiert und dies vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in Argentinien getan. Außerdem entstamme die Äußerung einem pastoralen Schreiben. „Nach kirchlicher Vorstellung muss die Wirtschaft in erster Linie dem Menschen dienen“, betonte Genn. Vielleicht trage die oft selektive Wahrnehmung kirchlicher Stellungnahmen zu dem manchmal schwierigen Verhältnis von Kirche und Staat bei.

Hildegard Müller, die im ZdK Sprecherin des Sachbereichs Wirtschaft und Soziales ist, erklärte, sie trage heute den Hut der Unternehmerin. Gerade Kirche und Wirtschaft täten gut daran, gelegentlich gedanklich die Perspektive der anderen Seite anzunehmen, sich aber dennoch gemeinsam auf ein moralisch-ethisches Grundgerüst zu verständigen. Ihr Verhältnis sei „auf Dialektik ausgerichtet“, und die Kirche sei ein wertvolles Korrektiv. „Nur in einem moralischen Wirtschaftssystem gelingt soziale Gerechtigkeit“, sagte Müller.

 

Dialog ist wichtig

Anhand der Tätigkeitsfelder ihres Unternehmens erklärte sie, bei nachhaltigem Wirtschaften müssten wirtschaftliche Überlegungen und verantwortliches Handeln Hand in Hand gehen. In Zeiten der Globalisierung könne sich jeder Fehler global auswirken. „Im Kern allen Handelns müssen Werte stehen, da bilden Unternehmen keine Ausnahme“, sagte die Referentin.

Für moderne Unternehmen gehöre nachhaltiges Handeln zum Kern eines erfolgreichen Geschäftsmodells. Zugleich müsse jedes Unternehmen Rendite erwirtschaften. „Innovationskraft lässt sich heute auf die Frage reduzieren, wie digitalisiert ein Unternehmen ist“, meinte Müller. Ob der Mensch in einer solchen Welt selbst technisiert werde oder in ihrem Mittelpunkt stehe, dazu müsse die Kirche sich einbringen. „Gerade in einer technisierten Welt wünschen sich viele die Beibehaltung von Werten“, gab Müller zu bedenken. Die Kirche dürfe die Unternehmen hiermit nicht allein lassen, denn diese Herausforderung sei für die gesamte Gesellschaft wichtig. Entsprechend wichtig sei der Dialog. „Die Kirche muss sich den Realitäten stellen und bei großen gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen“, forderte Müller.

 

Kirche soll realistisch neue Arbeitsmodelle begleiten

In der anschließenden lebhaften Diskussion, die Dr. Martin Dabrowski vom Franz Hitze Haus leitete, schlug ZdK-Präsident Sternberg in die gleiche Kerbe. Die Kirche habe immer den Anspruch gehabt, sich zu ethischen Grundsätzen zu äußern. Deren Umsetzung aber sei denjeni-gen zu überlassen, die dafür kompetent seien. Generalvikar Köster erklärte unter anderem, als Seelsorger habe er „Entmenschlichung“ in der Wirtschaft ebenso erlebt wie Menschen, die keinen Anschluss ans Wirtschaftsleben hätten. Dem widersprach Müller teilweise: Statt von Entmenschlichung zu sprechen, solle die Kirche realistisch neue Arbeitsmodelle begleiten.

Einig waren sich die Diskutierenden darin, dass die soziale Marktwirtschaft ein Wertegerüst für wirtschaftliches Handeln biete. Es müsse aber ermöglicht werden, dass alle Menschen daran teilhaben könnten.

wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld

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